Was hat der „Synodale Weg“ der katholischen Kirche in Deutschland gebracht? Nichts, sagen einige; nichts als Frust und enttäuschte Hoffnungen, werden andere sagen. Und manche finden, das Einzige, was wirklich dabei herauskam, ist ein neues Gremium, in dem die immer gleichen Engagierten Pläne schmieden und Papiere schreiben können, wie die Kirche ihrer Meinung aussehen sollte, damit alles besser wird. Nicht wenige aber werden sagen: Alles schon gehört; alles nichts Neues. Das löst weder den Mitgliederschwund der Kirchen noch die so oft beklagte „Glaubenskrise“ unserer Zeit.
Auch wenn man all dem zustimmen mag, muss ich ehrlich bekennen, dass ich es bewundere, wie so viele „Verbandskatholiken“ und Bischöfe sich über Jahre hinweg immer wieder zu mehrtätigen Versammlungen treffen, um vielfältige Resolutionen, Erklärungen und Stellungnahmen zu verfassen, die allesamt dazu beitragen sollen, dass „Kirche wieder glaubwürdig die Frohe Botschaft verkündigen kann“.
Sicher, man kann kritisieren, dass dies alles noch kein bisschen Veränderung im Kirchenrecht zeitigt oder im römischen Magisterium und schon gar nicht in der Alltagspraxis der Gläubigen. Aber es hat Aufmerksamkeit erzeugt. Es hat „Kirche“ über die Wahrnehmungsschwelle gebracht. Vielleicht hat es sogar dazu beigetragen, dass „Out in Church“ den Mut hatte, sich so zu artikulieren, dass Änderungen im kirchlichen Arbeitsrecht unausweichlich wurden.
Seit über 50 Jahren gibt es in Deutschland, aber genauso auch in anderen Weltgegenden, immer wieder diese Reformanstrengungen organisierter kirchlicher Laien, unterstützt von Klerikern und „Theologiebeamten“, die sich berufen fühlen, den Laden endlich auf Vordermann zu bringen, zunächst der Frauen wegen, der mangelnden Mitbestimmung und natürlich des Priestermangels. Seit 2010 dann auch, um der „Glaubwürdigkeitkrise“ zu begegnen, die durch die massenhafte Aufdeckung von Missbrauch in den Kirchen entstanden sei.
Auch fünf Päpste und mehrere Gesprächsprozesse später hat sich an den Strukturen der Kirche nichts geändert. Das mögen die einen feiern, die anderen beklagen. Die dies feiern, halten solche Reformbestrebungen sowieso für einen Ausfluss des Glaubensschwundes eines „woken“ Zeitgeistes; die es beklagen, versichern sich und der Welt, dass doch irgendwann alles besser würde, wenn man sie nur machen ließe, und so lange tagen sie eben weiter – nun in ihrem neuen Gremium – und versuchen sich an neuen Resolutionen, die aber zunächst höchstens lokale Wirkung zeigen. Immerhin.
Was aber, wenn mit den immer gleichen Forderungen, den Aufrufen wie den Beschwichtigungen, doch ein sehr langsamer Prozess der Bewusstseinsänderung einhergeht? Niemand wird bestreiten, dass die heute noch verbliebenen Kirchgänger anders sind als ihre Eltern- und Großelterngenerationen, und es gehört wirklich nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, dass in 30 oder 50 Jahren kommende Generationen wieder anders disponiert sein werden, nicht nur was die Rechte von Frauen oder von Nicht-Ordinierten angeht.
Wenn die Kirche dann eine Relevanz im Leben der Menschen hat, wird sie sich diesem veränderten Umgang untereinander stellen müssen.
Das alles kann man natürlich als Schritte auf dem Weg einer weiteren „Selbstsäkularisierung“ der Kirche bezeichnen; nur bringt das nichts, außer weiterer Zementierung der Fronten. Man kann aber auch finden, dass sich Kirche, so sie wirklich eine Relevanz hat im Leben der Menschen, wie ihr HERR immer weiter auf die Seite derjenigen stellen wird, die benachteiligt sind, die marginalisiert werden und, ja, auch stigmatisiert. Denn nur eine Kirche, die diesen Menschen dient, dient zu etwas.
Also: Auch wenn ich selbst es nicht fertigbrächte, all die Tagungen und Versammlungen, die endlosen Debatten und Papierberge zu bewältigen, die diesen Prozessen eigen sind, genügt es vielleicht schon, dass sie öffentliche Wahrnehmbarkeit erzeugen. Das allein ist schon ein Grund, dafür zu danken.

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