Ist Gott humorlos?

„Warum sollte gerade Gott humorlos sein, er, der so tief ins Menschenherz sieht, der die ganze Welt mit seinem Erbarmen umgibt? Darum müßte – so denke ich – in unserer Gottbeziehung auch der Humor seinen Platz haben. Auch darin wäre Abraham, dieses Urbild unseres Glaubens, ein Vorbild. Die Bibel erzählt vom Lachen Abrahams: „Weiter sprach Gott zu Abraham: ‚Ich will deine Frau segnen und diraus ihr einen Sohn schenken. Segnen will ich sie, daß sie zu Völkern werde. Könige werden von ihr abstammen. Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte. Denn er dachte bei sich: ‚Einem Hundertjährigen soll noch geboren werden?“ (Gen 17,15 ff). Gott stand vor Abraham, und wir haben oft gesehen, wie schrecklich Gottes Erscheinung sein kann. Und da ist dieser Mensch, der vor Gottes Angesicht lacht. Richtig lachte: Er streckte sich hin und hörte nicht auf zu lachen. Er glaubte zwar, daß Gott dieses Wunder wirken kann, aber er empfand die ganze Sache zum Lachen komisch. Wir müssen dabei bedenken: Abraham war der Vater unseres Glaubens. Er fiel zweimal auf sein Angesicht. Zum ersten Mal vor der unendlichen Herrlichkeit Gottes. Zum zweiten Mal vor lauter Lachen. Diese beiden Haltungen gehören zusammen. Wer vor Gott hinfallen kann in Anbetung, kann sich auch hinstrecken und lachen. Irenäus von Lyon sprach einmal den Satz aus: „Gloria Dei vivens homo.“ Dieser schwer übersetzbare Satz meint ungefähr: Gott wird in einem Menschen voll von Leben (und Lebenslust) am meisten verherrlicht.“ (Ladislaus Boros: Der nahe Gott. Mainz 1971, S. 68f..)

Angesichts der Wirklichkeit, der unseren wie alles Wirklichen, ist es nicht schwer anzunehmen, dass Gott – wie Abraham – gar nicht anders kann als zu lachen, ob aus Verzweiflung, aus Ironie oder aus Zustimmung sei dahingestellt.


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